Es geht los

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Es geht los

Beitrag von Ailina am So 10 Apr 2016 - 22:29

Delaney
„…aber ich habe überhaupt keine Zeit für so einen Unfug. Ich arbeite an einem wichtigen Fall und muss mich intensiv darauf vorbereiten!“
Mit diesen Worten würgte ich diesen Seth Sowieso ab und legte den Hörer auf. Es kam nicht selten vor, dass ich als Anwalt seltsame Geschichten zu hören bekam, aber so einen Schwachsinn hatte ich wirklich schon lange nicht mehr gehört.
Er hatte irgendetwas gefaselt von einer Droge, die er genommen hatte, dass er nun Dinge wusste, die er garnicht wissen durfte und von irgendwelchen Monstern, die ihn bedrohen würden. Er war offensichtlich nicht mehr ganz dicht und mit so welchen Leuten wollte ich nichts zu tun haben, auch nicht als Anwalt. Schließlich wollte ich mir mein Image bewahren.
Eine Sekunde lang dachte ich an meinen letzten Mandant. An den Methverticker, der kopfüber in die Sche,iße gefallen war und dank meiner Hilfe wieder aufgestanden war und nach Armani geduftet hatte. Ja, ich war ein sehr guter Anwalt. Der Beste. Und jeder wusste das.


Als ich an diesem Abend gegen 10 Uhr die Kanzlei verlies war es bereits dunkel draußen. Ich überquerte die Straße, um zu dem Parkplatz zu kommen auf dem mein Wagen stand.
Aus dem Augenwinkel nahm ich eine Gruppe von Personen war, die auf dem Bürgersteig in einem Kreis standen. Das war jedoch nicht sonderlich ungewöhnlich. Die Wallstreet war abends generell ziemlich bevölkert. In der Mitte stand ein dunkelhäutiger Mann mit Dreadlocks und einer Wollmütze in den Farben der Jamaikanischen Flagge. Mich wunderte es, dass es hier nicht nach Marihuana roch.
Nun, ich musste zu meinem Wagen, deshalb musste ich auch zwangsläufig an diesen Leuten vorbei.
„Ich schweeeebe…“, hörte ich plötzlich Jemanden sagen und ging davon aus, dass es der Jamaikaner war. Staunen im Publikum. Ich verdrehte die Augen, dann drehte sich eine in der Gruppe stehende Frau plötzlich um. „Man, der Typ da ist gerade geschwebt!“, rief sie mir mit großen Augen zu. Der Kreis löste sich ein bisschen und dann erblickte der Schwarze mich.
Lächelnd sah er mich an. „Ohhh, da haben wir einen Skeptiker!“
Nun fühlte ich mich herausgefordert und blieb stehen. „Lassen Sie mich raten. Ungefähr 20 cm hoch, richtig?“
Sein Lächeln wurde etwas schwächer.
„Der gute alte Balducci-Trick.“, schlussfolgerte ich und wollte schon wieder weitergehen.
„Warte Mr.Skeptiker!“,rief der Schwarze und ich hielt in meiner Bewegung inne. „Ich muss doch etwas tun können, um dich zu beeindrucken. Träumst du? Ich deute Träume. Für ein Bier.“
„Tja, ich hab kein Bier. Also habe ich wohl kein Glück heute.“, sagte ich und wollte abermals umdrehen und weitergehen.
„Warte! Ich weiß was ich mache. Ich mach es wie Daniel im alten Testament. Ich sage dir den letzten Traum, den du hattest und dann erkläre ich dir seine Bedeutung. Und wenn ich Recht habe, dann schuldest du mir ein Bier, okay?“
Ich musste einmal abfällig auflachen. „Okay, klar. Ich meine, Sie sind offensichtlich mit übernatürlichen Kräften gesegnet. Wie könnte man die besser einsetzen, als damit auf der Straße Bier abzuzocken.“
Der Schwarze ignorierte meine Anfeindung. „Diesen Traum…“, begann er. „Hattest du heute sehr früh am morgen, und zwar während des Gewitters. In dem Traum warst du wieder mit deiner Exfreundin zusammen, Hazel.“
Ein leichter Schauer lief mir plötzlich über den Rücken. Das konnte nicht sein… woher wusste er das?
„Du bist nach Hause gekommen…“, fuhr er fort. „Und sie hatte nen riesigen Haufen Dynamit mit einem Zünder, bereit hochzugehen und dich in den Tod zu reißen. Du hast sie gefragt ´was tust du da?´. Und sie hat gesagt ´das!´und dann kam ein Knall. Du hast die Augen aufgerissen und die Explosion vom Ende des Traumes wurde zum Donner draußen vor deinem Fenster.“
Ich schluckte einmal schwer, im ersten Moment unfähig etwas zu sagen.
„Also, sag mal, lieg ich richtig?“, fragte mich der Jamaikaner.
´Heilige scheiße…´schoss es mir durch den Kopf. „Das…war… gut geraten.“, murmelte ich dann.
„Weißt du, du musst dich selbst fragen….“, begann der Jamaikaner von Neuem. „Und du brauchst großen Mut um dir diese beängstigende Frage zu stellen... Sag, wie konnte dein Verstand wissen, wann der Donner kommen wird? Der Donner kam genau am Ende deines Traumes, als Hazel den Zünder drückte. Dein Verstand begann mit dem Traum 30 Sekunden bevor dem Donner. Woher wusste dein Verstand das der Donner kommen würde?“
Ungläubig starrte ich den Mann mir gegenüber weiter an.
„Na weil die Zeit ein Ozean ist und kein Gartenschlauch. Und dein Verstand ist eine fliegende Kornnatter, die durch sämtliche Möglichkeiten schwebt.“
„Wie auch immer.“, sagte ich und drehte nun wirklich um. Ich hatte keine Erklärung für das was geschehen war, aber ich wollte hier fort. Ich wollte einfach nur nach Hause und nach einem Arbeitstag die Füße hochlegen.
„Willst du wissen wo dein Papa wirklich war, als du mit dem gebrochenen Bein im Krankenhaus lagst?“, rief mir der Jamaikaner plötzlich hinterher und ich blieb wie angerührt stehen. Das konnte nicht wahr sein! Das war vollkommen unmöglich, dass er das wusste!
Ich drehte mich um und blickte ihn verschreckt an.
„Soll ich dir den Namen deiner Seelenverwandten sagen?“, fragte er mich lächelnd, bevor seine Stimme wieder dunkler und ernster wurde. „Oder wie sie sterben wird?“
„Willst du wissen, wann die erste Atombombe amerikanischen Boden treffen wird? Oder in welcher Stadt?“
Ich wartete nicht länger, augenblicklich drehte ich um und lief schnellen Schrittes geradewegs zum Parkplatz.
„Hey, Man!“ , hörte ich ihn noch. „Du schuldest mir ein Bier, Man!“
„So ein Schwachsinn…“, murmelte ich grimmig vor mir hin, als ich das Grüppchen hinter mir gelassen hatte und auf dem dunklen Parkplatz ankam. Es gab höchstwahrscheinlich eine logische Erklärung für das Ganze. Natürlich, es musste eine logische Erklärung geben. Aber trotzdem pisste es mich ziemlich an, dass ich momentan einfach keine hatte.
Ich fischte in der Tasche meines Sakkos nach dem Schlüssel für meinen Mercedes und betätigte den Entsperrknopf. Die Lichter des Wagens leuchteten zur Bestätigung einmal auf und ich ging herüber zum Kofferraum, um meinen Aktenkoffer darin zu verstauen.
Und als ich dann den Kofferraum öffnete, blieb mir der Atem stocken. Ich schrie nicht, ich sprang nicht zurück, ich starrte einfach fassunglos und vollkommen verstört in den blutgetränkten Kofferraum meines Wagens.
Die ein paar Meter entfernte Straßenlaterne sorgte nur für mäßig gutes Licht, aber zweifellos befand sich ein menschlicher Körper dort drin.
Hastig und  mit zitternden Handen wühlte ich in meiner Tasche nach meinem Handy. Als ich es gefunden hatte, ließ ich es beinahe fallen. Dann startete ich die Taschenlampen-App und leuchtete in den Wagen. Dieses Mal jedoch schrie ich auf und sprang zurück, denn in dem Wagen lag niemand anders als ich selbst.
„Na, Mr. Skeptiker.“, hörte ich eine Stimme sagen und ich fuhr – die Taschenlampe hoch erhoben- herum. Und dann stand er vor mir, der Jamaikaner von vorhin. Und er lachte. „Ich hätte es wissen müssen.“, sagte er grinsend. „Mir ist es aber erst aufgefallen, als sie schon fort waren.“
„Sagen Sie mir sofort was hier los ist!“, zischte ich noch immer vollkommen verstört mit einem deutlichen Zittern in der Stimme. In meinem verdammten Wagen lag eine Leiche. Und diese verdammte Leiche sah aus wie ich.
Der schwarze warf einen kurzen Blick an mir vorbei in den Kofferraum.
„Beschreiben Sie sich, Mr. Skeptiker.“, sagte der Schwarze. „Physisch meine ich…“
„Oh nein, Sie wollen mich verarschen!“, schleuderte ich ihm entgegen.
„Beschreiben Sie sich!“, wiederholte der Schwarze.
Verzweifelt fuhr ich mir durch die Haare. „1,80m groß. Braune Haare, Brille.“
„Für mich sehen Sie nicht so aus. Für mich haben Sie schwarzes Haar, sind fast 1,90m groß und tragen keine Brille.“ Er lachte und ich rannte augenblicklich nach vorne zur Fensterscheibe meines Wagens um mich darin zu betrachten. Und dieser verdammte Kerl hatte Recht.
„Tut mir leid, man. Tuts mir wirklich.“
„Sie waren das…“, brachte ich mühsam hervor. „Ich weiß nicht wie Sie das gemacht haben, aber Sie waren das!“, brüllte ich ihn an und wäre ihm beinahe an die Gurgel gegangen.
„Nein!“, sagte er und hob beschwichtigend seine Hände. „Sie hatten heute einen Anruf, nicht wahr? Jemand hat Ihnen erzählt, dass er verfolgt wird. Von Monstern, von Dämonen und all so einem Zeug….“
„Woher wissen Sie das?!“, schrie ich ihm entgegen.
„Hören Sie mir zu.“, entgegnete der Schwarze. „Dieser Anrufer, er hat weder gelogen noch sich etwas eingebildet. Jemand hat Wind davon bekommen, dass Sie Kontakt mit diesem Anrufer hatten und hat Sie ausgeschaltet. Und mit Jemand meine ich eines dieser Monster.“
„Das ist Blödsinn! Ich bin kein verdammter Geist und es gibt keine Monster! Das ist Blödsinn!“, regte ich mich weiter auf, aber es war keine Wut mehr, es war pure Verzweiflung.
„Es war seine Schuld. Nicht nur das sie getötet wurden, auch dieses… dieses Halbleben, dass Sie nun haben. Der Anrufer hat sie projeziert.  Ich glaube Sie wurden getötet, gleich nachdem sie telefoniert haben. Kennen Sie das? Wenn man mit Jemandem telefoniert, stellt man sich anhand seiner Stimme vor, wie er aussieht…Tja, als Sie getötet wurden, nahmen Sie sofort die Gestalt an, die er…“
„Das kann nicht sein.“, unterbrach ich ihn verzweifelt. „Woher wollen Sie das alles wissen? Das kann nicht sein. Ich weigere mich zu glauben, dass ich nur hier bin, weil ich aus der Fantasie meines Anrufers geploppt bin!“
Plötzlich fing der Schwarze an, in seiner Jackentasche zu wühlen. Dann holte er eine Spritze hervor. „Das ist es.“, sagte er. „Deshalb sind Sie nun, was Sie sind. Ihr Anrufer hat dieses Zeug genommen. Dieses Zeug hat alles begonnen. Es hat das Tor geöffnet, es hat Ihrem Anrufer erlaubt Sie zu erschaffen.“
„Sie haben mir das verabreicht!“, beschuldigte ich ihn nun. „Das ist irgendeine scheíß Droge, die Sie mir gegeben haben! Und ich bin gerade drauf und bilde mir das alles ein! Ich bin nicht neu erfunden worden!“
Ich schnellte auf ihn zu, entriss ihm die Spritze und verstaute sie in meiner Hosentasche. „Ich verspreche Ihnen eins, ich werde rausfinden was Sie mit mir gemacht haben! Und dann bring ich Sie in den Knast!“
Ich riss die Tür meines Wagens auf, stieg ein und raste davon. Ich wusste selbst nicht genau, wohin ich wollte. Und ich überlegte fieberhaft. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich bog auf den verlassenen Highway ab und beschleunigte immer weiter. Ich ignorierte auch die Warnschilder vor Wildwechsel. Zumindest solange, bis tatsächlich aus dem Nichts ein Reh im Schweinwerferlicht auftauchte. Dann drückte ich das Bremspedal durch. Der Wagen kam mit quietschenden Reifen zum Stehen und gleichzeitig spürte ich einen wahnsinnigen Schmerz in meinem Oberschenkel.
Als ich genauer hinblickte sah ich, dass diese verdammte Spritze sich bei der Bremsung in meinen Oberschenkel gebohrt hatte. Warmes Blut sickerte in meine Anzughose. Ich riss die Spritze aus meinem Fleisch und versuche es nun ohne Fluchen zu erklären. Aber diese schwarze Schei.ße, die aus der verfi,ckten Nadel tropfte sah aus, als wüchsen ihr Haare. Habe ich schon erwähnt, dass sich das Zeug bewegte, zuckte?
Und ich konnte es spüren. Diese fremdartige, giftige Wärme, die sich in meinem Oberschenkel ausbreitete.

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Re: Es geht los

Beitrag von Spartan0712 am So 8 Mai 2016 - 19:47

Matt
"Ob er es einsehen wird?" fragte ich Mike als er vom Parkplatz zurückkam.
"Ich frag mich ja immer, warum es keinem auffällt, dass plötzlich ein Mensch aus dem nichts da ist. Ein Mensch ohne Ausweis, ohne Aufzeichnungen und so."
Ich wusste nicht, warum ich eigentlich hier bei der Gruppe stand. Sie waren alle obdachlos und passten in das Junkieklischee. Aber ich war anders als sie. Und doch fühlte ich mich irgendwie wie einer von ihnen. Wahrscheinlich weil wir alle dieses schwarze Zeug nahmen.
"Naja ich werde dann mal wieder abhauen. Ciao."
Seit ca. 4 Wochen war ich hier in der Gegend unterwegs. Ich hatte mit eine kleine Wohnung im Stadtzentrum gemietet in der ich mich versteckte und forschte.
Auf meinem Weg kam ich durch einige dunkle Gassen, die mir nicht so wirklich geheuer waren. Gott sei Dank waren aber alle meine Sorgen umsonst. Nach einigen Minuten kam ich nämlich wohlbehalten zu Hause an und stand ratlos vor der Tür. Wo hatte ich...? Ah! In der Tasche meiner Lederjacke fand ich endlich den Schlüssel für meine Haustür. Nichts wie rein da! Das Flackern der Lampe im Flur trug nämlich nicht gerade dazu bei, dass ich mich vor meiner Tür wohl fühlte.
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